Zeitungsartikel

MUSA taşındı

"Muslimische Seelsorge Augsburg" adı altındaki sosyal proje, yeni bürolarına birçok yenilikle taşındı.

Augsburg’ta birçok başarılı işe imza atan "MUSA - Muslimische Seelsorge Augsburg / Müslümanlara yönelik manevi destek" projesi, yeni bürolarına taşındı. Nurdan Kaya tarafından yönetilen ve Augsburg Belediyesi’nden destek gören enstitüde hayata geçirilen "Türkçe Bilgi Hattı" projesinden sonra MUSA-Müslümanlara yönelik manevi destek adı altındaki proje, Augsburg sosyal hizmetlerinde sağlam bir yer edindi. Bu başarıyı Augsburg dışına taşıyan proje hizmet alanını da genişletmiş oldu. Projenin genişlemesi ile daha çok çalışma alanına gerek duyulması sonucu Augsburg şehir merkezine yakın olan Wolframstrasse’ye taşınıldı. Yeni büronun açılışına MUSA projesinde gönüllü çalışanları, destekçileri, kooparasyon ortakları, Belediye Uyum Sorumlusu Reiner Erben ile Augsburg Belediyesinden Dr. Margret Spohn da katıldı. Misafirleri selamlayan Nurdan Kaya, MUSA’nın tarihçesini ve hizmet alanlarını anlattı. Ardından Belediye Uyum Sorumlusu Reiner Erben ile Augsburg Belediyesi’nden Dr. Margret Spohn da birer kısa konuşma ile katılımcılara başarılar dilediler. Beraber kesilen kurdelenin ardından misafirler sohbet etme, lezzetli yemekler yeme ve müzik dinleme imkanı buldular.

 

Merhaba Gazetesi

2. Juni 2018

Autor: Ufuk Sayın

Foto: Ufuk Sayın

Quelle: http://merhaba.info/article,41717,musa-ta-nd-.html

Zahlreiche Vertreter christlicher und muslimischer Gemeinden empfing OB Christian Lösel (erste Reihe, Mitte) im Vorfeld des Christlich-Islamischen Dialogs im Historischen Sitzungssaal des Alten Rathauses. Mit dabei waren auch der bisherige Dialogbeauftrag

Ein Pfeiler in der Integrationspolitik

Hakan Sirt ist nicht mehr Beauftragter für den Christlich-Islamischen Dialog. Forum sucht Nachfolger. Ingolstadt (DK) Hakan Sirt, seit 2010 Beauftragter der Stadt für den Christlich-Islamischen Dialog, ist von seiner Funktion zurückgetreten. Das wurde am Mittwoch vor dem jüngsten Treffen des interreligiösen Forums im Historischen Sitzungssaal des Alten Rathauses bekannt.

Sirt gab auf Nachfrage private und gesundheitliche Gründe für seine Entscheidung an. Er werde aber weiterhin als Lehrer an Ingolstädter Schulen arbeiten, sagte er. Oberbürgermeister Christian Lösel dankte Sirt für sein großes Engagement um ein gutes Verhältnis zwischen den Religionen in Ingolstadt. "Es war eine Freude, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Sie waren ein Pfeiler der Integrationspolitik", sagte der OB.

Der Christlich-Islamische Dialog setzt sich aus Delegierten unterschiedlicher Glaubensausrichtungen des Islams und des Christentums zusammen. Ziel ist es, eine Annäherung zwischen den Religionen herzustellen. So ist es in Ingolstadt schon länger Sitte, dass Vertreter der Stadt, Gesellschaft und Kirchen zum islamischen Fastenbrechen eingeladen werden - eine Idee, die sich etabliert hat. "Der Dialog ist so wichtig wie nie zuvor", sagte Lösel. Er verwies darauf, dass die Schanz mit ihrem hohen Anteil an Migranten bundesweit unter den Großstädten weit vorne liege. Allerdings - und das sei letztlich auch dem Dialog zu verdanken - gebe es im Vergleich zu anderen Städten keine nennenswerten Konflikte zwischen den Religionen und Kulturen. Lösel appellierte deshalb daran, eine Abschottung innerhalb der Gesellschaft auch weiterhin zu vermeiden und Probleme offen anzusprechen.

Das Ausscheiden von Sirt bestimmte auch die Themen in der anschließenden Sitzung des Dialog-Forums, an dem zahlreiche Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche sowie der islamischen Glaubensrichtungen teilnahmen. "Für mich kam der Schritt überraschend, derzeit ist deshalb keine Lösung vorhanden", sagte Integrationsbeauftragte Ingrid Gumplinger hinsichtlich der Suche nach einem Nachfolger. Einig war man sich in der Runde, dass Sirt (er nahm an der Sitzung nicht mehr teil) eine "riesige Lücke" hinterlasse. Bald war den Anwesenden auch klar, dass man einen Nachfolger nicht vorschnell benennen wolle - auch deshalb, weil die Vermutung aufkam, Sirt könne sich zuletzt mit der Fülle seiner Aufgaben allein gefühlt haben. Seitens der christlichen Kirchen kam der Vorschlag, die Funktion des Dialogbeauftragten künftig mit einer christlich-islamischen Doppelspitze zu besetzen, um so für gegenseitige Entlastung zu sorgen. "Das wäre außerdem ein Impuls in alle Richtungen", argumentierte Pfarrer Martin Geistbeck (St. Pius). Der Vorschlag fand breite Zustimmung. Man wolle sich über die zukünftige Zusammensetzung des Gremiums, das laut Gumplinger aufgrund einiger ausgeschiedener Teilnehmer neu strukturiert werden solle - und über die Nachfolge von Sirt jedoch zuvor noch einmal in den einzelnen Gemeinden besprechen, hieß es. Eine Entscheidung wurde auf Ende Mai vertagt.

Sirt war auch einer der Leiter des Kurses, in dem seit 2016 Ehrenamtliche für den seelsorgerischen Besuchsdienst bei muslimischen Patienten am Klinikum Ingolstadt ausgebildet wurden. Unabhängig von dessen Rücktritt - das betonte Gumplinger - sei man schon seit vergangenem Jahr in Kontakt mit dem Institut für transkulturelle Verständigung (itv) in Augsburg, das dort die Muslimische Seelsorge Augsburg (Musa) ins Leben gerufen hat. Das Konzept soll nun wegen des großen Bedarfs auf Ingolstadt übertragen werden. Finanziert werde es von der Stadt und vom Goethe-Institut. Musa betreibt unter anderem muslimische Krankenhausseelsorge, Gefängnisseelsorge und Flüchtlingsseelsorge, berichtete Referentin Nuran Kaya. Das Institut sei vereinsunabhängig und offen für alle Religionszugehörigkeiten, betonte sie. Derzeit würden 37 Schüler aus ganz Bayern in Bereichen wie Psychologie, Kommunikation und Interreligiosität ausgebildet. Mit dem erworbenen Zertifikat sei ihnen auch der Zutritt zu Gefängnissen gestattet, um den seelsorgerischen Dienst zu verrichten. Man befinde sich zudem "auf Augenhöhe" mit der christlichen Seelsorge. Die muslimischen Vertreter wurden aufgerufen, sich in ihren Gemeinden umzuhören, wer sich geeignet fühle, die einjährige Ausbildung zum ehrenamtlichen Seelsorger zu absolvieren. Voraussetzungen seien demnach unter anderem ein Mindestalter von 24 Jahren sowie die Zugehörigkeit zum muslimischen Kulturkreis, aber auch der offene Umgang mit anderen Konfessionen. Eine ausführliche Infoveranstaltung zu dem Vorhaben ist für Donnerstag, 3. Mai, um 18.30 Uhr im Neuen Rathaus (Raum 502) geplant. Interessenten sind willkommen.

 

 

Donaukurier

19. März 2018

Autor: Michael Brandl

Foto: Michael Brandl

Quelle: http://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/Ingolstadt-Ein-Pfeiler-der-Integrationspolitik;art599,3714278

Segnung der Station durch Dekan Markus Mikes (r.k.) und Doris Hartmann-Sperber (ev. Dekanin), Gebet von Alime Ghoneim (muslimische Seelsorge Augsburg) und Esra Konur (hinten rechts).

Klinikum baut Palliativstation in Haunstetten aus

Am Klinikum Süd gibt es nun acht weitere Betten für Schwerstkranke. Wie Ärzte und Pflegen die Aufgabe der Station begreifen.

Unter großem Andrang haben Irmtraud Hainsch-Müller und Christoph Aulmann, die beiden leitenden Ärzte des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin am Klinikum Augsburg, die Einweihung der neuen Palliativstation im Klinikum Süd gefeiert. Nachdem das große Haus in Kriegshaber bereits seit neun Jahren zehn Betten in acht Zimmern für Sterbenskranke zur Verfügung stellt, können Patienten nun auch in der Dependance in Haunstetten aufgenommen werden. 

Unter den etwa 80 Anwesenden waren unter anderem Ärzte und Professoren des Klinikums, Vertreter der Hospizhäuser und -vereine, Politiker aus Stadt- und Bezirksrat sowie die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr. Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) betonte die Bedeutung der Würde, besonders im Sterben. Der ärztliche Klinikums-Vorstand Michael Beyer schlug den Bogen zur ethischen Verantwortung der Ärzte. „Die steigende Zahl von Patientenverfügungen entlässt den Arzt nicht aus seiner Pflicht, sich – obwohl mit Hilfe eines Kreislaufunterstützungssystems heute jeder Mensch reanimiert werden kann – Gedanken über das ‚Ob‘ zu machen.“ Man müsse bei austherapierten Patienten genau hinschauen und auch darauf hinweisen, wenn High-End-Medizin keinen Sinn mehr mache. Linderung sei allerdings immer angezeigt.

Das sieht auch Oberärztin und Palliativfachfrau Hainsch-Müller so. „Wir wollen, dass die sterbenskranken Menschen sich hier so wohl wie möglich fühlen, auch Morphium gegen Schmerzen oder schwere Atemprobleme sowie angstlösende Mittel können dazugehören.“ Auf die Frage, ob – anders als auf der Normalstation – etwa auch Alkohol erlaubt sei, sagt ein Pfleger: „Hier ist so viel Genuss angesagt, wie der Patient möchte.“ 

Neben einem Raum der Stille wurde auf der Station ein Zimmer mit Instrumenten eingerichtet, die Musiktherapeutin Ursula Herpichböhm mit Angehörigen und Patienten nutzt. Für die seelische Betreuung stehen zudem ein Psychoonkologe, eine katholische Pastoralreferentin sowie ein evangelischer Pfarrer und mit Esra Konur und Alime Ghoneim zwei muslimische Seelsorgerinnen zur Verfügung. Beide absolvierten die Ausbildung zu ehrenamtlichen Seelsorgern beim Institut für transkulturelle Studien. Zur Einweihungsfeier leiteten sie neben den anwesenden Dekanen der beiden Kirchen auch ein Gebet auf Arabisch. Ghoneim rezitierte die Eröffnungssure des Koran, Konur eine Schutzsure für die Patienten und Mitarbeiterinnen der Station.

 

Augsburger Allgemeine

26. Januar 2018

Autor: Stefanie Schoene

Foto: Klaus Rainer Krieger

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Klinikum-baut-Palliativstation-in-Haunstetten-aus-id43986256.html?view=print

Frau der ersten Stunde: Eser Özal ist eine der ersten ausgebildeten Seelsorgerinnen. Heute betreut sie Patienten im Bezirkskrankenhaus Augsburg – und ist Mentorin und Koordinatorin für die anderen Seelsorger. Die Lampe rechts im Bild ist das Symbol der mu

In Augsburg gibt es mehr als 80 muslimische Seelsorger

Augsburg - Mit der muslimischen Seelsorge Augsburg ist es gelungen, ein dauerhaftes Modell der Betreuung aufzubauen. Nun soll das Projekt bayernweit ausgedehnt werden.

Die ersten Wochen in dem fremden Land waren für Eser Özal eine schwere Zeit. Hochschwanger war die Türkin mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen. »Es war eine schwierige Schwangerschaft«, erzählt sie. Der neugeborene Sohn musste direkt nach der Geburt auf die Intensivstation. In dieser Zeit hätte sie jemanden gebraucht, mit dem sie über die Situation reden kann, sagt Özal. »Doch ich konnte die deutsche Sprache nicht und von meiner Familie war niemand da.«

Mehr als zwanzig Jahre ist das her. Heute ist Özal selbst für Menschen da, die im Krankenhaus einen Gesprächspartner brauchen – für Menschen muslimischen Glaubens. Seit vier Jahren arbeitet die 48-Jährige bei der muslimischen Seelsorge Augsburg (Musa). Das Projekt gibt es seit 2011. Mehr als 80 muslimische Frauen und Männer kümmern sich dabei ehrenamtlich um die Nöte von Patienten muslimischen Glaubens in Krankenhäusern, von Flüchtlingen oder Gefängnisinsassen. Demnächst soll eine Notfallseelsorge hinzukommen.

 

Koran kennt keine Seelsorge

 

Das von der Stadt finanzierte Projekt sei derzeit bayernweit das einzige Modell, bei dem es gelungen sei, dauerhaft eine muslimische Seelsorge aufzubauen, meint Nurdan Kaya. Die Psychotherapeutin hat das Konzept für die muslimische Seelsorge in Augsburg entworfen. Sie leitet das Institut für transkulturelle Verständigung, das Musa organisiert. Den Begriff Seelsorge gebe es im Koran gar nicht, erläutert Kaya: »Im Islam ist das etwas, das die Großfamilie übernimmt.« Viele Menschen muslimischen Glaubens in Deutschland können jedoch auf diesen Familienverbund nicht zurückzugreifen.

Hier setzt Musa an. Entscheidend sei, dass die Seelsorgerinnen und Seelsorger denselben kulturellen und religiösen Hintergrund haben wie die Menschen, um die sie sich kümmern, meint Nurdan Kaya. »Sie sprechen dieselbe Sprache und stammen oft aus demselben Land. Das macht sie authentisch und ist oft ein Türöffner für die Gespräche.«

Hinzu kommt eine anderthalbjährige Qualifizierung. In knapp 150 Theoriestunden absolvieren die Mitarbeiter von Musa Kurse zu allgemeiner Seelsorge, Interreligiösität, Psychologie oder Gesprächsführung. Außerdem arbeiten sie als Hospitanten in den jeweiligen Einrichtungen, etwa in Krankenhäusern. Erst danach beginnt die Arbeit als Seelsorger.

Eser Özal arbeitet regelmäßig im Bezirkskrankenhaus Augsburg. In der Klinik werden Menschen mit psychischen Problemen betreut. Deren Angehörige schämten sich oft, sie dort zu besuchen, berichtet Özal. Vielen Patienten höre sie daher einfach nur zu: »Sie wollen über Alltagsprobleme reden: über ihre Kinder, die Familie, den Ehemann.« Özal hat sich mittlerweile über Musa auch zur Mentorin und Koordinatorin für andere Seelsorger ausbilden lassen. Diese Möglichkeit mache das Projekt nachhaltig, meint Nurdan Kaya: »Nur wenn wir den Ehrenamtlichen die Möglichkeit zur Weiterentwicklung geben, bleiben sie bei der Stange.«

Dieses Konzept will Musa nun auch auf andere Städte in Bayern ausdehnen. Bei einer Tagung in Augsburg wollen die Organisatoren und die Stadt über ihre Erfahrungen mit Musa berichten – und für das Projekt werben. »Unser Konzept ist auch in anderen Städten umsetzbar«, meint Margret Spohn, die das städtische Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt leitet.

Der Bedarf dafür sei groß, sagt Spohn. Sie weiß aber auch, dass die Umsetzung »extrem schwer« sein kann. Denn die muslimischen Glaubensgemeinschaften sind in unterschiedlichen Verbänden organisiert, deren Zusammenarbeit nicht immer einfach ist. Musa dagegen sei unabhängig und verbandsoffen, sagt Nurdan Kaya: »Bei uns kann sich jeder Mensch muslimischen Glaubens zum Seelsorger ausbilden lassen.« So wie Eser Özal: Sie habe in ihrer Arbeit vielen Menschen helfen können, erzählt sie. Aber auch sie selbst habe bei der Seelsorge viel gelernt: »Ich bin heute ein anderer Mensch, ich kann besser zuhören, bin offener und verständnisvoller.«

 

Sonntagsblatt

25. Januar 2017

Autor: Andreas Jalsovec

Foto: Andreas Jalsovec

Quelle: http://www.sonntagsblatt.de/artikel/bayern/augsburg-gibt-es-mehr-als-80-muslimische-seelsorger

 

Nurdan Kaya (Bildmitte) referierte im Landratsamt. Geladen hatten Marina Lovric (rechts), begrüßt wurde Kaya von Beate Oswald-Huber (links).

Kultureller Einfluss auf die Rollenverteilung

Deutsch-Türkin erklärt Asylhelfern im Landratsamt Aichach-Friedberg die typischen Rollenbilder von Mann und Frau in islamischen Ländern. Sie geht auch darauf ein, wie die Beteiligten damit zurechtkommen.

 

Das Heranwachsen in der jeweiligen Kultur ist prägend und beeinflusst das Rollenbild von Mann und Frau. Was im Heimatland als selbstverständlich gilt und als gewachsene Tradition von Generation zu Generation weitergereicht wird, kann in der Fremde Anlass zu Irritationen geben. Um gerade den Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe ein besseres Verständnis dafür zu geben, wie sie kulturelle Unterschiede und geschlechtsspezifische Rollenaufteilungen bei Menschen aus islamischen Ländern einordnen sollten, hatte die Freiwilligenagentur zum Seminar geladen. Nurdan Kaya aus Augsburg referierte zu dem Thema und stieß auf großes Interesse.

Die 47-jährige Deutsch-Türkin lebt seit 1980 in Augsburg. Sie hat eine eigene Praxis für heilkundliche Psychotherapie in Augsburg und leitet das Institut für transkulturelle Verständigung (ITV). Ihre Arbeit bestehe unter anderem darin, traumatisierten Migranten beim Integrations- und Selbstfindungsprozess mit fachlicher Kompetenz zu helfen, erläuterte die Referentin vor knapp 40 Zuhörern im Sitzungssaal des Aichacher Landratsamtes. Gerade für Frauen aus muslimischen Ländern sei es eine große Herausforderung, sich in der liberalen, individualistischen europäischen Gesellschaft zu behaupten, ohne ihre soziokulturelle Identität gänzlich unterdrücken zu müssen.

Im Gegenzug verlange der Integrationsprozess auch der einheimischen Bevölkerung Toleranz und Verständnis ab, um ein ausgewogenes Miteinander der unterschiedlichen Ethnien zu gewährleisten. Anhand zahlreicher Beispiele ging Kaya auf die Erziehungsprinzipien und traditionellen Rollenaufteilungen in der kollektivistischen Gesellschaftsform ein, wie sie in muslimischen Ländern etabliert ist.

In diesem patriarchalischen System ist von Gleichberechtigung kaum die Rede. Auch im Familienverbund sind die Aufgaben und die Rolle der jungen Mädchen und Frauen in der Regel strikt festgelegt, ein Ausbrechen aus dem engen Korsett restriktiver Maßnahmen ist schwierig.

Das hat weitreichende Auswirkungen auf die emotionale Entwicklung wie auch auf die persönliche Wahrnehmung und Entfaltungsmöglichkeiten. „Mütter, die wenig Anerkennung und Wertschätzung erfahren, gehen häufig ausbeuterisch mit den eigenen Ressourcen um“, formulierte Nurdan Kaya. Das führe im Extremfall dazu, dass die von starren Traditionen geprägte Mutter einen regelrechten Hass auf ihre emanzipierte Tochter empfinde und sich selbst als begrenztes Wesen sehe.

Hinzu komme, dass vor dem Hintergrund der islamischen Religion, die ebenfalls von männlichen, stark religiösen Leitbildern gekennzeichnet sei, es für die Frauen wenig Spielraum gebe, sich selbstbewusst und frei zu entfalten. Auch hier nehme die Frau eher die dienende, passive, von Hingabe geprägte Rolle ein. Eine Infragestellung der Entscheidungen der Führungspersonen sei nicht erwünscht. 

In der Auseinandersetzung mit einem übermächtigen Patriarchat und den Grundbedürfnissen der freien, autonomen Entfaltung sowie der sozialen Eingebundenheit komme es auf den Erwerb und das Erlenen von Kompetenzen an, so Kaya. Das bleibe lebenslang eine Herausforderung, und zwar unabhängig davon, mit welcher Gesellschaftsform man es zu tun habe. Kaya führte als erschwerenden Faktor die unterschiedlichen Verwandtschaftssysteme an, die je nach Beschaffenheit die Familienkonstellationen regulieren, angefangen von Erbschaftsfolgen bis hin zur Partnerwahl der Individuen. 

In Gesprächen mit ihren Patienten erlebe sie immer wieder, dass gerade junge Migranten und Frauen mit den in der Familie vorgelebten Rollenmustern nicht zurechtkämen. Zahlreiche Fragen aus den Reihen der Anwesenden zeigten, dass viele Ehrenamtliche das Festhalten an dem traditionell starren, innerfamiliären Machtgefüge oft nicht nachvollziehen können. Kinder der Migrantenfamilien seien sprachlich deutlich kompetenter als ihre Eltern und oft problemloser im Integrationsprozess begriffen.

 

Augsburger Allgemeine

23. Mai 2017

Autor: Vicky Jeanty

Foto: Vicky Jeanty

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de/aichach/Kultureller-Einfluss-auf-die-Rollenverteilung-id41533976.html?view=print

Foto:Sven Hoppe, dpa

In Bayerns Gefängnissen wird es eng

Immer mehr ausländische Häftlinge. Wie das Justizministerium reagiert.

 

Die bayerischen Gefängnisse sind beinahe voll. Mit 96 Prozent Belegung ist die Kapazität an Haftplätzen beinahe ausgeschöpft. Rund 12000 Personen sind derzeit nach Angaben des Justizministeriums inhaftiert. Platzprobleme gebe es in den Gefängnissen zwar nicht, sagte ein Sprecher. Dennoch sehe sich das Ministerium mit „wachsenden Anforderungen“ konfrontiert.

Denn der Anteil ausländischer Gefangener nimmt zu. Seit 2013 seien deswegen von 440 neu geschaffenen Stellen 260 „speziell zur Bewältigung der Flüchtlingskrise geschaffen“ worden, sagte der Sprecher. Inzwischen gebe es verpflichtende Deutschkurse für Häftlinge ohne ausreichende Sprachkenntnisse – unabhängig von der jeweiligen Bleibeperspektive. Um die Kommunikation mit den ausländischen Gefangenen zu verbessern, plant das Ministerium zudem ein Videodolmetschsystem, für das derzeit ein Pilotprojekt laufe.

Gefangene mit Migrationshintergrund „stammen zu einem nicht unerheblichen Teil aus Ländern mit gesellschaftlichen Normen und Weltanschauungen, die teilweise erheblich von den europäischen Vorstellungen abweichen“, so der Sprecher. Deswegen investiere der Freistaat in zahlreiche Maßnahmen, um neben konsequentem Strafvollzug eine moderne Resozialisierung zu sichern. Dazu gehören seelsorgerische Angebote für muslimische Gefangene, die derzeit erweitert würden.

Insgesamt investiere Bayern „erheblich in die Infrastruktur der bayerischen Justizvollzugsanstalten“, so der Sprecher. Seit 1992 seien mehr als 3000 neue Haftplätze entstanden. Auch drei Neubauten sind in den kommenden Jahren geplant. In Passau wird demnach eine kombinierte Einrichtung aus Straf- und Abschiebehaft entstehen. „Damit sollen konsequente Abschiebungen grenznah gesichert und gleichzeitig eine effektive Ahndung von Schleuserkriminalität dort, wo sie geschieht, ermöglicht werden“, sagte der Sprecher.

Neben den dort geplanten 450 Haftplätzen werden etwa 640 weitere in Neubauten in Bamberg und Marktredwitz (Landkreis Wunsiedel) entstehen. (dpa)

 

Augsburger Allgemeine

08 Mai 2017

Foto: Sven Hoppe, dpa
Quelle:
http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/In-Bayerns-Gefaengnissen-wird-es-eng-id41393176.html

 

Augsburg, ein Beispiel für andere Städte 

Muslimische Familien kümmern sich um Angehörige, die krank sind oder in Not. Doch was, wenn die Familie nicht da ist? Seit 2011 gibt es spezielle Seelsorger – jetzt soll die Idee auf ganz Bayern ausgedehnt werden.

 

Eser Özal arbeitet für die muslimische Seelsorge in Augsburg. Diese Einrichtung ist beispielhaft, weshalb sie nun in ganz Bayern Schule machen soll.

Die ersten Wochen in dem fremden Land waren für Eser Özal eine schwere Zeit. Hochschwanger war die Türkin mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen. „Es war eine schwierige Schwangerschaft“, erzählt sie. Der neugeborene Sohn musste direkt nach der Geburt auf die Intensivstation. In dieser Zeit hätte sie jemanden gebraucht, mit dem sie über die Situation reden kann, sagt Özal. „Doch ich konnte die deutsche Sprache nicht, und von meiner Familie war niemand da.“

Mehr als zwanzig Jahre ist das her. Heute ist Özal selbst für Menschen da, die im Krankenhaus einen Gesprächspartner brauchen – für Menschen muslimischen Glaubens. Seit vier Jahren arbeitet die 48-Jährige bei der muslimischen Seelsorge Augsburg (Musa). Das Projekt gibt es seit 2011. Mehr als 80 muslimische Frauen und Männer kümmern sich dabei ehrenamtlich um die Nöte von Patienten muslimischen Glaubens in Krankenhäusern, von Flüchtlingen oder Gefängnisinsassen. Demnächst soll eine Notfallseelsorge hinzukommen.....

Das von der Stadt finanzierte Projekt sei derzeit bayernweit das einzige Modell, bei dem es gelungen sei, dauerhaft eine muslimische Seelsorge aufzubauen, sagt Nurdan Kaya. Die Psychotherapeutin hat das Konzept für die muslimische Seelsorge in Augsburg entworfen. Sie leitet das Institut für transkulturelle Verständigung, das Musa organisiert. Den Begriff Seelsorge gebe es im Koran gar nicht, erläutert Kaya: „Im Islam ist das etwas, das die Großfamilie übernimmt.“Viele Menschen muslimischen Glaubens in Deutschland können jedoch auf diesen Familienverbund nicht zurückzugreifen.

Hier setzt Musa an. Entscheidend sei, dass die Seelsorgerinnen und Seelsorger denselben kulturellen und religiösen Hintergrund haben wie die Menschen, um die sie sich kümmern, meint Nurdan Kaya. „Sie sprechen dieselbe Sprache und stammen oft aus demselben Land. Das macht sie authentisch und ist oft ein Türöffner für die Gespräche.“

Hinzu kommt eine anderthalbjährige Qualifizierung. In knapp 150 Theoriestunden absolvieren die Mitarbeiter von Musa Kurse zu allgemeiner Seelsorge, Interreligiosität, Psychologie oder Gesprächsführung. Außerdem verbringen sie knapp fünfzig Stunden als Hospitanten in den jeweiligen Einrichtungen, etwa in Krankenhäusern. Erst danach beginnt die Arbeit als Seelsorger.

Eser Özal arbeitet regelmäßig im Bezirkskrankenhaus Augsburg. In der Klinik werden Menschen mit psychischen Problemen betreut. Deren Angehörige schämten sich oft, sie dort zu besuchen, berichtet Özal. Vielen Patienten höre sie daher einfach nur zu: „Sie wollen über Alltagsprobleme reden: über ihre Kinder, die Familie, den Ehemann.“Özal hat sich mittlerweile über Musa auch zur Mentorin und Koordinatorin für andere Seelsorger ausbilden lassen. Diese Möglichkeit mache das Projekt nachhaltig, meint Nurdan Kaya: „Nur wenn wir den Ehrenamtlichen die Möglichkeit zur Weiterentwicklung geben, bleiben sie bei der Stange.“

Dieses Konzept will Musa nun auch auf andere Städte in Bayern ausdehnen. Bei einer Tagung in Augsburg berichteten die Organisatoren und die Stadt über ihre Erfahrungen mit Musa – und warben für das Projekt. „Unser Konzept ist auch in anderen Städten umsetzbar“, meint Margret Spohn, die das städtische Büro für Migration, Interkultur und Vielfalt leitet. Im Mai soll der erste bayernweite Kurs für angehende muslimische Seelsorger starten. Das bayerische Sozialministerium unterstützt die Ausweitung mit knapp 152000 Euro, sagte Staatssekretär Johannes Hintersberger. Der Bedarf dafür sei groß, sagt Spohn. Sie weiß aber auch, dass die Umsetzung „extrem schwer“sein kann. Denn die muslimischen Glaubensgemeinschaften sind in unterschiedlichen Verbänden organisiert, deren Zusammenarbeit nicht immer einfach ist. Musa hingegen sei unabhängig und verbandsoffen, sagt Nurdan Kaya: „Bei uns kann sich jeder Mensch muslimischen Glaubens zum Seelsorger ausbilden lassen.“

So wie Eser Özal: Sie habe in ihrer Arbeit vielen Menschen helfen können, erzählt sie. Aber auch sie selbst habe viel gelernt: „Ich bin heute ein anderer Mensch, ich kann besser zuhören, bin offener und verständnisvoller.“

 

Augsburger Allgemeine (Land West)

28 Jan 2017

Autor: Andreas Jalsovec, epd

Foto: Anika Taiber

Quelle: https://www.pressreader.com/germany/augsburger-allgemeine-land-west/20170128/282402694104140 

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